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Initiation zum Mann in Südportugal / Algarve / Alentejo › Monte Canelas

Initiation zum Mann

Rituale zur Initiation von Jugendlichen wurden laut moderner Forschung in nahezu allen menschlichen Kulturen entwickelt mit dem Ziel, die soziale Ordnung zu erhalten und die Initianten mit der Gemeinschaft und deren Historie zu verbinden. Leider ist festzustellen, dass in unserer Kultur und Zeit ein Defizit an solchen Ritualen zur Gestaltung von Lebensübergängen zu verzeichnen ist.

 

In der Konsequenz des Bedeutungsverlustes nehmen emotionale Irritation, Unsicherheit, Identitätskrisen, soziale und psychische Störungen bei den Jugendlichen zu, da verschiedene Entwicklungsschritte und Erfahrungen nicht bewusst erlebt werden konnten. Dabei spüren die jungen Männer unserer Gesellschaft instinktiv das Bedürfnis Visionssuchenach Initiation und versuchen sich in der Gruppe von Gleichaltrigen diesen Zustand selber herzustellen, indem sie Grenzen testen und Risiken eingehen mit der Folge, dass sich die Distanz zwischen den Generationen erweitert und die Schwierigkeiten zunehmen. Die Jugendlichen sind irritiert und bleiben in der Entwicklung ihrer Potenziale stehen, da sie die Bindung und den Kontakt zu dem Wissen der Alten verloren haben. Vorbilder sind die Voraussetzung, um selber voranzukommen. Vor allem aufgrund massiver Umbauprozesse im Gehirn ist die Phase der Jugend die nahezu einmalige Gelegenheit, um die große Lebensvision zu schauen. Derzeit besteht ein gesamtgesellschaftlicher, existenzieller Bedarf an integrierenden und bedeutungsvollen Ritualen, die Jugendliche in ihrem Übergang zum Erwachsenensein begleiten. Vermutlich könnte die Installation angemessener Übergangsrituale zur Lösung komplexer Entwicklungsschwierigkeiten beitragen.

Die indianischen Initiationsrituale der Visionssuche sind eine Ankommengeeignete Methode, um den Übergang von männlichen Jugendlichen zum Erwachsensein zu begleiten. Nicht zuletzt, da diese durch das Autorenpaar Steven Foster und Meredith Little bereits in den Kontext unserer westlichen Kultur übertragen wurde. Im Folgenden möchte ich die Methodik einer Visionssuche nach Steven Foster und Meredith Little näher beschreiben, da unser Projekt auf diesem fußt.

Die klassische Visionssuche umfasst ca. 10 – 12 Tage und lässt sich in die drei Phasen, der Ablösung, Schwelle und Wiedereingliederung einteilen. Erste Phase der Lösung als Vorbereitung, die zweite Phase als Schwellenphase oder einsames Fasten und die dritte Phase der Rückkehr und Nachbereitung.

Konzept einer Visionssuche in Portugal Wandern
Bei Visionssuchen für unsere Jugendliche handelt es sich um eine abgeschwächte Form der Visionssuche, die in der Fachliteratur auch als erlebnispädagogisches Solo benannt wird. Letzteres bezeichnet die Einsamkeit in der Wildnis für einen bestimmten Zeitraum. Dieser umfasst maximal drei Tage und kann entsprechend der Situation oder dem Kontext variiert werden.

Intention einer Visionssuche bzw. eines erlebnispädagogischen „Solos“ ist es, dem Suchenden einen angemessenen Raum des Rückzugs aus menschlicher Gesellschaft zu eröffnen, um die Selbsterfahrung und Konfrontation im Den Tag begrüßenSpiegel der Natur zu ermöglichen. Die Enthaltsamkeit soll die Empfänglichkeit des Suchenden für Ideen, Vorstellungen und Träume von sich selbst und individueller Zukunft steigern. Mithilfe des Abschieds und Ausschluss aus der Gemeinschaft, der Besinnung auf das existenziell Wesentliche beim Fasten sowie dem einfachen Sein in der Natur und schließlich dem Empfangen der betreffenden Person im neuen Leben durch die Gemeinschaft soll die Suche nach einer der individuellen Lebensvision gefördert werden.

Das erlebnispädagogische Solo in Portugal umfasst einschließlich der Vor- und Nachbereitung einen Zeitraum von ca. 6-7 Tagen.

SteinkreisEs ist eingebettet in ein breites sportliches Rahmenprogramm mit den Elementen Kitesurfen, Wandern, Freizeit und Naturerfahrung. Dieser Rahmen soll helfen die Teilnehmer auf die bevorstehende „Prüfung“ der Einsamkeit in der Wildnis vorzubereiten sowie die Gruppenglieder als Gemeinschaft füreinander zu gewinnen. Die Teilnehmer werden ihre Erfahrungen mit Wind und Wellen beim Kiten machen. Auf den Wanderungen wird die Gruppe draußen nächtigen, Essen bereiten, Feuer machen etc. Die Teilnehmer und Betreuer können so ungezwungen mit sich, den Zusammenrückenanderen und vor allem mit den Elementen der freien Natur in Kontakt kommen. Diese Faktoren bilden die Vorraussetzung zur Realisierung der im oberen Absatz beschriebenen Intention einer Visionssuche. Es braucht bestehende Beziehungen zu den anderen Teilnehmern, den Betreuern sowie der natürlichen Umgebung, um eigene Themen, Fragen und Entwicklungspotenziale zu entdecken und nachhaltig ausschöpfen zu können. Des Weiteren steigert die Gewöhnung an die natürliche Umgebung die innere sowie die tatsächliche Sicherheit der Teilnehmer.

Ablauf Im Kreis aufgenommen

Zunächst wird die Gruppe gemeinsam zum Retreatplatz wandern. Dort angekommen werden wir gemeinsam unser Basislager für die kommende Woche errichten. Nach Möglichkeit werden wir am Abend eine Schwitzhütte veranstalten, um die Teilnehmer für die kommende Zeit zu „reinigen“.

Wichtiger Bestandteil dieser Zwei GenerationenAnkommensphase ist es, ein gemeinsames Lager zu errichten. Dazu kann es hilfreich sein mithilfe verschiedener kooperativer Abenteuerspiele die Gruppe in ihrer Teamfähigkeit zu stärken. Des Weiteren ist es von Bedeutung die Teilnehmer hinreichend über den Ablauf der bevorstehenden Aktion aufzuklären. Vor allem wird verdeutlicht was wir machen, was es dazu braucht und nicht braucht und was dabei entstehen kann. Man könnte sagen es werden ein paar wenige aber wichtige Regeln vermittelt. Insgesamt soll diese Zeit von einer spaßig, lockeren aber auch ernsthaft, bedeutungsvollen Stimmung geprägt sein. Es wird einen Tag od. Nachmittag geben, an welchem die Jugendlichen alleine für ein paar Stunden verabschiedet werden, um die Gegend und sich selbst ein wenig zu erkunden. Diese Zeit dient als Vorbereitung, ein schmecken der Einsamkeit in der Natur. Nach Möglichkeit tauchen hier bereits Themen auf, die man im Anschluss reflektiert und aufgriffen werden können, umReflektionen? gemeinsam mit den Teilnehmern eine konkrete, persönliche Frage oder ein Thema mit in die Einsamkeit zu geben. Es wird täglich feste Zeiten geben, zweimal täglich, morgens und abends, um den Teilnehmern ausreichend Raum zu bieten ihre Erlebnisse mit der Gruppe teilen zu können. Nach dieser Vorbereitungsphase werden die Teilnehmer am zweiten oder dritten Nachmittag rituell verabschiedet und somit von den erwachsenen Betreuern in die Einsamkeit entlassen. Sie werden sich zunächst einen geeigneten Platz suchen, um mithilfe der Plane, Isomatte und Schlafsack ihr Lager zu errichten. Es gilt Feuerholz zu suchen und Rückblickedieses zu entfachen, um es in der sicherlich noch kalten Nacht etwas lichter und wärmer zu haben. Während dieser Zeit werden die Teilnehmer fasten. Nun befinden sich die Jugendlichen in ihrer Einsamkeit. Diese gilt es zu wahren indem man andere Teilnehmer, so man diese zufällig treffen sollte einfach ignoriert. Die Betreuer verharren in dieser Zeit im Basislager, welches den Teilnehmern zur Not während der ganzen Zeit als Rückzugsort dienen kann. So steht jederzeit ein Ansprechpartner zur Verfügung. Von Bedeutung ist noch zu erwähnen, dass es zusätzlich ein System gibt mit welchem die Betreuer das Wohlbefinden der Teilnehmer kontrollieren bzw. sicherstellen können. Die Teilnehmer werden insgesamt zwei Nächte alleine draußen verbringen und am folgenden Morgen nach einem zuvor vereinbarten Signal in die Gruppe zurückkehren. Auch diese Rückkehr wird rituell gefeiert und mit einem kleinen Fest am Abend gewürdigt.

AusblickeIn den folgenden Tagen gilt es die Erfahrungen der Teilnehmer zu reflektieren, miteinander zu teilen und sich von den „Älteren“ würdigen zu lassen. Die Nachbereitung ist meines Erachtens die sensibelste Phase, da die Teilnehmer ihre tiefen, intimen Erfahrungen miteinander teilen, formulieren und somit selbst verstehen und anerkennen können. Des Weiteren gilt es das Lager abzubauen sowie abschließend die Wanderung zurück anzutreten. Zu Hause werden die Teilnehmer „als Männer“ von den Frauen begrüßt und gewürdigt.

Nachbereitung und Integration der Erfahrungen in den Lebensalltag ist die Nachbetreuung beziehungsweise Übertragung der „magischen“ bzw. „reichhaltigen“ Visionen, Erfahrungen und Erkenntnissen einer solchen Aktion in den jeweiligen Lebensalltag eine wichtige Herausforderung eines solchen Projektes. Die Teilnehmer kommen vom Berg zurück in ihren Alltag und schon nach kurzer Zeit überlagern die Gewohnheiten des Alltags den „Zauber“ der Erfahrungen in der Einsamkeit. Es besteht die Gefahr, dass die Visionen alsbald auch in Vergessenheit geraten.

Gereift

In unserem Fall kehren die Teilnehmer zurück in ihre Betreuungssettings. Die Betreuer sind als Initiatoren und Begleiter der Teilnehmer an dem Projekt maßgeblich beteiligt. Insofern entsteht bereits während des Projektes eine solide Basis, um die tiefen Erfahrungen der Teilnehmer im folgenden gemeinsam in den Lebensalltag zu transportieren. Die Betreuer werden zu aufmerksamen Begleitern, die gemeinsam mit den Jugendlichen die Erkenntnisse im Alltag immer wieder zum Thema machen, wertschätzen und anhand kommender Lebenssituationen prüfen können. Daher lässt sich sagen, dass der individualpädagogische Rahmen der Teilnehmer optimale Voraussetzungen bildet.


Tanja Grandy Leon Wagner Otto Linden
Tanja Grandy Leon Wagner Otto Linden

 

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Tanja GrandyTanja Grandy (Jg. 1965) ist Heimerzieherin und Mutter der drei Söhne Phillip (Jg. 92), Valentin (Jg. 94) und Silas (Jg. 97). Die Familie siedelte im Jahr 2000 von Bayern/Schwaben nach Portugal um und baut seit 2003 an der Algarve das eigene Projekt „Monte Canelas“ auf. Tanja verfügt über Ausbildungen in Kinesiologie / Bachblüten und ist akkreditierte Team-Trainerin nach Margerison-McCann. In Deutschland war sie 12 Jahre im öffentlichen Dienst der Energiewirtschaft u.a. als Betriebsrätin tätig. Sie leitete daneben Ernährungskurse und Sportgruppen, spielte 25 Jahre aktiven Tischtennis-Mannschaftssport. Sie bereiste mit dem eigenen Motorrad Europa und vertiefte Ihre Lebenspläne Richtung Süden. Die tägliche Meditation ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil ihres Lebens.

Leon WagnerLeon Wagner (Jg. 1982) Ich bin nach meinem Abitur aufgebrochen, um in einem Jahr einmal um die Welt zu reisen. Diese Reise beeinflusste meinen Lebensweg stark positiv und ist mir nach wie vor eine Quelle aus der ich schöpfe. Vielleicht liegt mir aus diesem Grund die Visionssuchearbeit mit Jugendlichen besonders am Herzen, da ich erfahren durfte, welch heilsames und kraftvolles Potenzial darin verborgen ist, in der Einsamkeit mit der inneren, eigenen und der äußeren, freien, wilden Natur in Kontakt zu kommen. In Freiburg habe ich Sozialpädagogik studiert und konnte mich in den Bereichen der Natur- und Erlebnispädagogik sowie in der Psychodramatherapie fortbilden. In meiner Diplomarbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema der Visionssuche auseinandergesetzt. Anschließend habe ich ein Jahr in der stationären Jugendhilfe in Freiburg gearbeitet. Seit einem Jahr lebe ich mit meiner Frau, Tochter und Hund in Witzenhausen und bin in Eschwege als Erlebnispädagoge und Kletterwaldleiter tätig.

Otto LindenOtto Linden (Jg. 1959) ist Holländer, gelernter Krankenpfleger und Vater von drei Söhnen. Er spricht neben niederländisch auch deutsch, englisch und portugiesisch. 1988 in seinem ersten Portugal Urlaub verliebte er sich in die Algarve. Er folgte seinem Traum in der Algarve ein selbstbestimmtes Leben zu führen und eröffnete 1992 die erste Pizzeria in der Gegend. Das Geld aus dem Verkauf seiner Pizzeria investierte er in eigene Bauprojekte. Heute vermietet er Ferienhäuser und bietet Feriengästen eine Vielzahl an Sport- und Ausflugsmöglichkeiten an. Er bietet mit seinem restaurierten, original portugiesischen Fischerboot Rundfahrten im Naturschutzgebiet Ria Formosa an und verleiht Kajaks, Stand-up-paddle Bretter und Segelboote. Otto ist Kitesurf-Instructor und veranstaltet in der Zusammenarbeit mit der Kitesurfschule von Holger Beyer Kitesurf-Camps. Otto Linden ist mit seiner Familie seit Jahren auch mit den Grandys in Kontakt, vernetzt seine Qualitäten mit der Jugendarbeit und begleitet sportliche und erlebnispädagogische Projekte.